Kleingarten Remy

mitten in Dortmund – zwischen Rombergpark und Westfalenstadion. Hier wird aus Stadt für einen Moment Natur: ein Ort zum Durchatmen, Abschalten und Ankommen

Die kleine Geschichte des großen Kleingartens

Als die Städte in Europa, vor gut 200 Jahren, immer voller, lauter und grauer wurden. Sehnten sich einige Menschen nach einem Fleckchen Grün – nicht nur, um Kartoffeln anzubauen, sondern auch, um der Hektik zu entfliehen. Und so wurde der Kleingarten geboren: ein Paradies in Miniaturformat.

Alles begann im frühen 19. Jahrhundert in England, wo Arbeiterfamilien kleine Parzellen vor den Stadttoren pachteten, um Gemüse anzubauen und ein bisschen Natur zu genießen. 

Die Idee sprang schnell über den Kanal – in Deutschland wurden die ersten Kleingärten 1814 in Kappeln an der Schlei angelegt. Doch der wahre Boom kam mit der Industrialisierung: Als die Fabriken die Städte verschlangen, wurden Kleingärten zu kleinen Oasen der Freiheit.

Heute sind Kleingärten nicht nur Orte der Selbstversorgung, sondern auch der Artenvielfalt, der Gemeinschaft, der Kreativität und manchmal sogar der Kunst. Manche Kleingärten werden naturnah angelegt und andere sind perfekt durchdesignt. Es gibt Kleingärten mit Teichen, es wird Regenwasser aufgefangen und insgesamt in der Pflanzenauswahl auf regionale Bedingungen und den Klimawandel geachtet – und ja, es gibt auch den einen oder anderen Gartenzwerg.

Goldene Regeln

Jeder Kleingarten hat seine eigenen Gesetze, aber einige sind universell:

Die Laubenpieper-Regel: Egal, wie klein die Laube ist – sie wird immer "das Gartenhaus" genannt, als wäre es ein Schloss.

Das Tomaten-Dilemma: Alle schwören darauf, dieses Jahr endlich die perfekte Tomate zu züchten. Spoiler: Es gibt sie nicht.

Die Nachbarschaft: Freundschaften, in denen Saatgut getauscht und Tipps gegen Blattläuse frei Haus geliefert werden und oben drauf die Philosophie des besten Standorts diskutiert wird.

Warum wir Kleingärten lieben

Weil sie uns lehren, dass Geduld eine Tugend ist – und dass nicht jede Erdbeere perfekt aussehen muss, um köstlich zu schmecken. Weil sie Orte sind, an denen man sich streiten kann, ob die Bohne jetzt links oder rechts vom Salat stehen sollte. Und weil sie beweisen, dass man auch auf 200 Quadratmetern das Gefühl haben kann, für ein Stück dieser Welt die Verantwortung zu tragen und damit, den Fußabdruck, den wir hinterlassen, etwas zu schmälern.